Anleiherisiken

Zinsrisiko bei Anleihen: Was Anleger wissen müssen

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Anleihen gelten in der Volkswahrnehmung als sicheres Investment. Doch das stimmt nur bedingt. Das Zinsrisiko ist eine reale und bedeutende Risikoquelle für Anleiheportfolios. Als die Notenbanken ab 2022 die Zinsen stark anhoben, verzeichneten viele als konservativ geltende Anleiheportfolios Verluste von zehn bis zwanzig Prozent. Wer Anleihen im Depot hält, sollte das Zinsrisiko kennen und aktiv steuern.

Warum steigende Zinsen Anleihekurse drücken

Anleihen zahlen einen festen Kupon. Wenn das allgemeine Zinsniveau steigt, werden neu ausgegebene Anleihen mit höheren Kupons attraktiver. Ältere Anleihen mit niedrigeren Kupons verlieren daher im Kurs, um ihre effektive Rendite dem neuen Marktniveau anzugleichen. Umgekehrt steigen Anleihekurse, wenn die Zinsen fallen.

Das Ausmaß dieser Kursbewegung hängt von der Duration der Anleihe ab: Je länger die Restlaufzeit und je niedriger der Kupon, desto stärker reagiert der Kurs auf Zinsänderungen. Eine Anleihe mit einer Duration von zehn Jahren verliert bei einem Zinsanstieg von einem Prozentpunkt rund zehn Prozent ihres Wertes.

Einflussfaktoren auf das Zinsrisiko einer Anleihe

  • Duration: längere Laufzeit bedeutet höhere Zinssensitivität
  • Kupon: niedrigerer Kupon bedeutet höhere Sensitivität
  • Restlaufzeit: je länger, desto stärker die Kursreaktion
  • Bonitätsrating: beeinflusst den Kreditrisikoaufschlag
  • Marktzinsniveau: absolutes Zinsniveau bestimmt Ausgangspunkt
  • Inflationserwartungen: beeinflussen nominale Zinssätze
  • Zentralbankpolitik: Leitzinsentscheidungen treiben die Markterwartungen

Zinsrisiko im Depot steuern

Die wirksamste Maßnahme zur Reduktion des Zinsrisikos ist die Verringerung der durchschnittlichen Duration des Anleiheportfolios. Kurzlaufende Anleihen (unter zwei Jahre) reagieren kaum auf Zinsänderungen, langfristige (über zehn Jahre) sehr stark.

Eine weitere Strategie ist die Staffelung der Fälligkeiten (Laddering): Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten sorgen dafür, dass immer ein Teil des Kapitals zeitnah zur Wiederanlage zu aktuellen Zinssätzen fällig wird. Der Depot Risk Check zeigt die durchschnittliche Duration Ihres Anleiheportfolios und ermöglicht so eine fundierte Einschätzung des Zinsrisikos.

Häufige Fragen

Wie stark fallen Anleihekurse bei steigenden Zinsen?

Als Faustregel gilt: Eine Anleihe mit einer Duration von N Jahren verliert bei einem Zinsanstieg von einem Prozentpunkt ungefähr N Prozent ihres Wertes. Eine 10-jährige Bundesanleihe mit einer Duration von etwa 8 Jahren verliert bei einem Anstieg um einen Prozentpunkt rund 8 Prozent. Bei 2 Prozentpunkten entsprechend mehr.

Sind kurzlaufende Anleihen wirklich sicherer?

Gegen das Zinsrisiko sind kurzlaufende Anleihen deutlich robuster. Gegen Kreditrisiken (Bonität des Emittenten) schützt die kurze Laufzeit nicht. Ein kurzlaufendes Hochzinsanleihe-Portfolio kann trotz kurzer Duration erhebliche Kursverluste erleiden, wenn sich die Kreditqualität der Emittenten verschlechtert.

Wie wirkt sich ein Zinsrückgang auf mein Anleihedepot aus?

Bei sinkenden Zinsen steigen Anleihekurse. Anleihen mit langer Duration profitieren am stärksten. Das war zwischen 2010 und 2021 zu beobachten, als die Zinsen kontinuierlich sanken und Anleiheportfolios erhebliche Kursgewinne erzielten. Ob sich dieses Szenario wiederholt, lässt sich nicht verlässlich prognostizieren.

Schützen Anleihen-ETFs vor dem Zinsrisiko?

Nein. Anleihen-ETFs tragen dasselbe Zinsrisiko wie die enthaltenen Anleihen. Ein ETF auf Staatsanleihen mit langer Laufzeit hat eine hohe Duration und damit ein hohes Zinsrisiko. Der iShares Euro Government Bond ETF verlor im Jahr 2022, als die EZB die Zinsen stark anhob, rund 18 Prozent.

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Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung dar. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Wir übernehmen für mögliche Verluste keine Haftung – und werden auch an etwaigen Gewinnen nicht beteiligt. Bitte treffen Sie Anlageentscheidungen immer auf Basis individueller Beratung.