Anleiherisiken

Bonitätsrisiko im Portfolio verstehen

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Bonitätsrisiko bezeichnet das Risiko, dass ein Anleiheemittent, ein Staat oder ein Unternehmen, seinen Zins- oder Rückzahlungsverpflichtungen nicht vollständig oder nicht termingerecht nachkommen kann. Es ist neben dem Zinsrisiko die wichtigste Risikodimension bei Anleihen und unterschätzt sich häufig in vermeintlich sicheren Portfolios, die Staatsanleihen aus Schwellenländern oder Hochzinsanleihen enthalten.

Kreditratings und ihre Bedeutung

Kreditratingagenturen wie Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch beurteilen die Bonität von Anleiheemittenten und vergeben Ratings auf einer Skala von AAA (höchste Kreditqualität) bis D (Zahlungsausfall). Anleihen mit einem Rating von BBB oder besser gelten als Investment Grade, darunter liegende Ratings als Sub-Investment Grade oder High Yield.

Je niedriger das Rating, desto höher der Kupon, den ein Emittent bieten muss, um Anleger für das höhere Ausfallrisiko zu entschädigen. Dieser Risikoaufschlag wird als Credit Spread bezeichnet. Weitet sich der Spread aus, also steigen die Risikoaufschläge, fallen die Kurse bestehender Anleihen.

Ratingkategorien und ihre Bedeutung

  • AAA bis AA: Höchste Bonität, sehr geringes Ausfallrisiko (z.B. Deutschland, USA, Schweiz)
  • A bis BBB: Investment Grade, akzeptable Kreditqualität (z.B. viele Unternehmensanleihen)
  • BB: Spekulativer Bereich, erhöhtes Ausfallrisiko (High Yield Grenze)
  • B bis CCC: Deutlich erhöhtes Ausfallrisiko, hohe Kupons als Kompensation
  • CC bis C: Sehr hohes Ausfallrisiko, Anleihe stark notleidend
  • D: Zahlungsausfall eingetreten

Bonitätsrisiko im Portfolio steuern

Die wichtigste Maßnahme ist die Beschränkung des Anleiheportfolios auf Investment-Grade-Emittenten, wenn das Depot einen konservativen oder ausgewogenen Charakter haben soll. Für ertragsorientierte Anleger mit ausdrücklichem Hochzinsanteil ist eine bewusste Limitierung des High-Yield-Anteils sinnvoll.

Darüber hinaus schützt Diversifikation: Ein Anleiheportfolio mit vielen Emittenten ist weniger anfällig für den Ausfall eines einzelnen Schuldners als ein Portfolio mit wenigen konzentrierten Positionen. Anleihen-ETFs bieten diese Streuung automatisch.

Häufige Fragen

Können Staatsanleihen ausfallen?

Ja, auch Staatsanleihen können ausfallen oder restrukturiert werden. Argentinien hat mehrfach seinen Schuldenverpflichtungen nicht nachkommen können. Griechische Staatsanleihen wurden 2012 in der Schuldenkrise restrukturiert. Selbst Investment-Grade-Staatsanleihen tragen ein theoretisches, wenn auch geringes Bonitätsrisiko.

Was passiert mit meinem Geld wenn ein Anleiheemittent ausfällt?

Im Insolvenzfall werden Gläubiger in einer gesetzlich geregelten Reihenfolge bedient. Besicherte Anleihen haben Vorrang, unbesicherte nachrangige Anleihen werden zuletzt bedient. In der Praxis erhalten Anleger bei Staatsanleihenausfällen oft einen Teil ihres Kapitals zurück, die Verluste können aber erheblich sein.

Ist der Kreditspread ein guter Risikoanzeiger?

Der Credit Spread zeigt, welche Risikoprämie der Markt für einen Emittenten verlangt. Ein ausgeweiteter Spread signalisiert, dass Marktteilnehmer das Ausfallrisiko als höher einschätzen. Allerdings können Spreads auch durch technische Marktfaktoren (Liquidität, Risikoaversion) beeinflusst werden, nicht nur durch die tatsächliche Bonität.

Wie wirkt sich eine Ratingherabstufung auf meinen Anleihe-ETF aus?

Wenn Anleihen im Index eines ETFs von Investment Grade auf High Yield abgestuft werden, müssen sie aus vielen Investment-Grade-ETFs verkauft werden (sogenannte Fallen Angels). Das kann kurzfristig zu Kursrückgängen führen. High-Yield-ETFs können dagegen von solchen Zuflüssen profitieren.

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