ETF Risiko
Synthetische vs. physische ETFs: Das Risikourteil
Die meisten ETF-Anleger wählen ihre Produkte nach Index, Kosten und Anbieter aus, ohne die Replikationsmethode zu berücksichtigen. Dabei ist die Frage, ob ein ETF physisch oder synthetisch repliziert, für das Risikoprofil durchaus relevant. Synthetische ETFs bieten in manchen Märkten Vorteile, tragen aber ein strukturelles Risiko, das physische ETFs nicht haben.
Physische versus synthetische Replikation
Ein physisch replizierter ETF hält die tatsächlichen Wertpapiere des abgebildeten Index. Bei einem vollständig physischen ETF entsprechen Fondsvermögen und Indexzusammensetzung einander exakt. Manche physischen ETFs verwenden Sampling, also eine Auswahl repräsentativer Wertpapiere statt des vollständigen Index, was zu einem geringen Tracking-Fehler führen kann.
Ein synthetisch replizierter ETF bildet den Index über Swap-Vereinbarungen mit einer Gegenpartei nach, in der Regel einer Bank. Der Fonds hält ein Sicherheitenkorb aus Wertpapieren und tauscht dessen Rendite gegen die Indexrendite. Das Kontrahentenrisiko ist auf zehn Prozent des Fondsvermögens regulatorisch begrenzt (UCITS-Richtlinie).
Physisch vs. synthetisch: Vor- und Nachteile
- Physisch: kein Kontrahentenrisiko, transparent, leicht verständlich
- Physisch: höhere Kosten bei illiquiden oder großen Indizes möglich
- Physisch: Wertpapierleihe kann zusätzliches Kontrahentenrisiko einführen
- Synthetisch: präzisere Indexabbildung, oft günstigere TER
- Synthetisch: Kontrahentenrisiko (regulatorisch auf 10 Prozent begrenzt)
- Synthetisch: bei Swap-Portfolios weniger Transparenz über Sicherheiten
- Beide: reguliert unter UCITS, Sondervermögen getrennt vom Anbieter
Kontrahentenrisiko im Kontext
Das Kontrahentenrisiko bei synthetischen ETFs bedeutet in der Praxis: Wenn die Swap-Gegenpartei (typischerweise eine Großbank) ausfällt, kann eine temporäre Abweichung vom Index entstehen. Das Verlustrisiko ist durch die UCITS-Regulierung auf maximal zehn Prozent des Fondsvermögens begrenzt und durch Besicherung weiter reduziert.
In der Praxis ist das Kontrahentenrisiko eines regulierten UCITS-ETFs überschaubar. Es sollte aber bekannt sein, insbesondere wenn das Depot einen hohen Anteil synthetischer ETFs auf illiquide oder schwer zugängliche Märkte enthält.
Häufige Fragen
Welche ETFs sollte ich bevorzugen: physische oder synthetische?
Ist mein Kapital bei einem ETF-Anbieter-Insolvenz geschützt?
Was ist Wertpapierleihe und welches Risiko birgt sie?
Haben synthetische ETFs höhere oder niedrigere Kosten?
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